Mit zunehmenden geopolitischen Spannungen, insbesondere aufgrund des Iran-Kriegs, sind die Renditen von US-Staatsanleihen gestiegen, und der Yen hat erheblich an Wert verloren und erreicht mehrjährige Tiefststände gegenüber dem Dollar. Auch die Goldpreise sind stark von früheren Höchstständen gefallen.
Analysten führen diese Veränderungen auf eine Abkehr vom typischen Risikoaversion-Verhalten zurück, wobei Inflationssorgen und höhere reale Renditen die übliche Nachfrage nach sicheren Anlagen überlagern.
Frederic Neumann von HSBC stellte fest, dass die zugrunde liegende Risikobereitschaft stark bleibt, da US- und einige asiatische Märkte Rekordhöhen erreichen, angetrieben durch Investitionen in KI-bezogene Aktien wie Nvidia und Samsung Electronics.
Henning Potstada von DWS betonte, dass die Aktienperformance hauptsächlich durch das Wachstum des Gewinns pro Aktie (EPS) bestimmt wird, das derzeit im Aufwind ist.
Der Mangel an sicheren Hafenströmen im Anleihemarkt ist mit den Inflationserwartungen und Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit der US-Schulden verbunden, wobei das prognostizierte Bundeshaushaltsdefizit für 2026 auf 1,9 Billionen Dollar oder 5,8 % des BIP geschätzt wird.
Die jüngste Underperformance von Gold hat Experten verwirrt, da es sich nicht als zuverlässiger sicherer Hafen erwiesen hat, beeinflusst von einem stärkeren US-Dollar und höheren realen Renditen. Der Rückgang des Yen wird auf die politische Divergenz Japans und hohe Schuldenquoten zum BIP zurückgeführt, die bei 204,4 % liegen.
Insgesamt werden traditionelle sichere Häfen weniger vorhersehbar, was darauf hindeutet, dass Investoren möglicherweise ihre Vermögensallokationen diversifizieren müssen, anstatt sich ausschließlich auf etablierte Zufluchtsorte zu verlassen.